Über den Klimawandel und soziale Gerechtigkeit

Wir haben letzten Freitag einen Redebeitrag zu Fridays For Future Leipzigbeigesteuert. Aber lest selbst:

Der menschengemachte Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Das Motto dieser Demonstration lautet „Gemeinsam gegen den Klimawandel“ und deutet eigentlich schon an, wie wir dem Klimawandel begegnen müssen. Mit Solidarität und einem kritischen Blick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse, die ihm zugrunde liegen. Mit anderen Worten: Der Klimawandel ist eine soziale Frage und kann ohne den Gedanken von Klimagerechtigkeit und Umverteilung nicht gelöst werden. Deutlich wird dieser Sachverhalt, bei der Betrachtung der Folgen und Ursachen. Global treffen die Folgen des Klimawandels vor allem Menschen ohne Kapital.

Es sind jene, die aufgrund der sozialen Verhältnisse, in denen sie leben, von einer intakten Biosphäre abhängig sind. Der globale Süden ist somit stärker betroffen als der Norden, Frauen* stärker als Männer und Arme stärker als Reiche. Natürlich werden auch wir im reichen Deutschland den Klimawandel zu spüren bekommen, doch werden seine Auswirkungen für uns weniger verheerend sein, als beispielsweise für die Bevölkerung von Tuvalu, einem Inselstaat welcher für seine gesamte Bevölkerung, 11.000 Menschen, Asyl in Australien und Neuseeland beantragt hat. Bereits heute leben etwa 1.1 Mrd Menschen unter Wasserknappheit. Bis zum Jahr 2050 wird diese Zahl um 200 bis 300 Millionen Menschen steigen. Selbst wenn wir die Klimaerwärmung auf 2 °C beschränken können. Auch die Wasserknappheit wird hauptsächlich die ärmeren Regionen der Erde treffen. Um Ungerechtigkeiten bei der Verteilung von Klimafolgen sehen zu können, müssen wir jedoch nicht einmal nach Tuvalu oder Afrika blicken. Wer wird sich in Deutschland eine Hochwasserschutzversicherung leisten können, wenn das nächste große Hochwasser kommt? Wer wird auf sein Recht auf Erholung im Grünen verzichten müssen, wenn der städtische Wald einem Parkplatz weicht? Wen treffen die steigenden Lebensmittelpreise, wenn der Klimawandel Ernteeinbußen von ungefähr 30% mit sich bringt? Die Antwort auf diese Fragen könnt ihr euch sicher denken.

Unerwähnt bleiben darf allerding ebenfalls nicht, dass auch der Beitrag zum Klimawandel eine Verteilungsfrage ist. Es gilt: Je ärmer das Land, desto weniger CO2 wird ausgestoßen. Die ärmsten Länder emittieren nur rund 0,9 Tonnen pro Kopf und Jahr. In Deutschland liegt dieser Wert bei 8.9. Hierzu ein Beispiel: eine einzige Flugreise von Frankfurt am Main nach Sydney oder von Buenos Aires nach Singapur und zurück setzen mehr CO² frei, als die meisten der rund eine Milliarde Menschen, die mit weniger als einem US-Dollar pro Tag auskommen müssen, während ihres ganzen Lebens zu verantworten haben.
Dieser auf der Verteilung von Reichtum basierende Trend gilt ebenso innerhalb von Ländern. Auch in Deutschland sind vor allem Menschen mit einem hohen Einkommen, einem hohen Bildungsabschluss und kulturellem Kapital, also genau jene die meistens auch ein großes Umweltbewusstsein besitzen, die welche einen großen ökologischen Fußabdruck haben. Zum Beispiel, weil sie als Führungskräfte international tätig sind, oder einen Urlaub im Ausland besonders wertschätzen. Wir müssen leider feststellen, dass man sich gar nicht so viele Solaranlagen aufs das Eigenheim legen oder so viel Bionade saufen kann, um mit dem ökologischen Fußabdruck von armen Menschen mitzuhalten.

Diese Zusammenhänge zwischen Reichtum und Klimawandel sollen weder eine Schuldzuweisung sein, noch die Armut glorifizieren. Sie machen jedoch deutlich, welche Folgen Forderungen nach höheren Flug- oder Energiepreisen haben können und wen sie treffen. Der Kapitalismus beutet Mensch und Natur nach derselben Verwertungslogik aus. Wer das vergisst, verspielt die Toleranz für Klimapolitik und verschärfte die sozialen Missstände.

Wir sagen: Wer den Klimawandel bekämpfen will, muss auch gegen die soziale Kälte vorgehen. Her mit dem nachhaltigen Leben für Alle!

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