Wider dem Vergessen!

Der 9. November gilt in der Gesellschaft als Schicksalstag der Deutschen. Zurecht, denn es ist der Tag der Reichspogromnacht. Als Reichspogromnacht werden heute die antisemitischen Gewaltexzesse in der Nacht vom 9. auf den 10. November des Jahres 1938 bezeichnet. Die Pogrome waren jedoch nicht auf die Nacht des 9. November beschränkt, sie begannen vorher und dauerten bis zum 13. November an.

Auch in Leipzig ist der Antisemitismus seit der Moderne verankert. Schon 1936 wurde in der Nacht vom 9. zum 10. November das Mendelsohn-Denkmal vor dem ehemaligen Gewandhaus niedergerissen. Genau zwei Jahr danach, in der sogenannten Reichspogromnacht, wurden 550 Jüd*innen in Leipzig verhaftet. Deutschlandweit bilanzierten die Nazis 91 Ermordete, sowie unzählige verletzte, misshandelte und vergewaltigte Jüd*innen. Insgesamt wurden 191 Synagogen durch Brandstiftung zerstört und rund 7 500 jüdische Geschäfte verwüstet. Friedhöfe wurden geschändet und Wohnungen geplündert. Viele Jüd*innen wurden verhaftet, in KZs verschleppt und später ermordet.

Heute, 80 Jahre nach der Shoa, existiert der Antisemitismus immer noch. Deshalb ist es umso wichtiger, den Verfolgten zu gedenken und auf den modernen Antisemitismus aufmerksam zu machen. Allein aus dem Jahr 2017 sind 1453 antisemitische Straftaten bekannt. Ebenfalls steigend ist die Zahl von Anfeindungen, Hasskommentaren im Internet oder der Reproduktion antisemitischer Stereotype. Auch 2018 sind es immer noch jüdische Geschäftsleute, wie George Soros oder die Rothschilds, welchen die Schuld am Kapitalismus zugeschrieben wird. Der Antisemitismus ist also nicht ausgestorben, sondern hat sich transformiert. Zum „neuen Antisemitismus“ gehören Aussagen wie: „Man sollte die Geschichte ruhen lassen und sich gegenwärtigen oder zukünftigen Problemen widmen“, welcher 2015 77% der Deutschen zustimmten. Diese Forderung nach einem Schlussstrich unter der Shoa, hat mit dem Erstarken des Nationalismus in Deutschland an Bedeutung gewonnen. Solche Aussagen gehen dabei häufig mit einer Relativierung der Shoa oder der Delegitimation Israels einher. Dieser Antisemitismus wird in heutiger Zeit immer salonfähiger, zusammen mit den Formen, welche Israel dämonisieren und mit doppelten Standards belegen. Für uns folgt daraus, dass wir heute, am 9. November, eine Gedenkveranstaltung ausrichten. Nicht um diese Pogrome zu instrumentalisieren, sondern um an die Opfer zu erinnern und die Gesellschaft für Antisemitismus zu sensibilisieren

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