Wahlrecht für alle, sonst gibts Krawalle

Wenn am 24. September die Wahllokale für die Bundestagswahl öffnen, muss sich ein Großteil der Menschen in diesem Land entscheiden, wo sie ihre Stimme lassen. Für eine nicht unbedeutend große Zahl an Menschen stellt sich diese Frage jedoch nicht, da sie aufgrund von Alter oder fehlender deutscher Staatsbürgerschaft von der Wahl ausgeschlossen sind. Bei der vergangenen Bundestagswahl 2013 waren lediglich 61.946.900 Menschen wahlberechtigt. Rund 20 Millionen Menschen wurden demnach nicht zur Wahl zugelassen.

Ein Zustand, den es dringend zu ändern gilt! Alle Menschen, die von den Entscheidungen einer politischen Institution, wie dem deutschen Bundestag betroffen sind, sollen die Richtung, in diese steuert mitbestimmen dürfen. Junge Menschen leben nicht im luftleeren Raum und bekommen von der Politik nichts mit. Im Gegenteil! So denken und handeln junge Menschen oft politisch – sei es als Klassensprecher_in oder beim Abendessen mit den Eltern, wo man diesen erklärt, wie die Welt wirklich zu laufen hat. Junge Menschen haben auch eigene Anliegen und Themen, über die sie und nicht 70 jährige in den Ministerien oder Parlamenten am besten urteilen und entscheiden können.

Nun fordern nicht wenige eine Absenkung des Wahlalters. Manche auf 16 Jahre – andere mutige auf 14 Jahre. Wir gehen gleich mehrere Schritte weiter und fordern mit dem Wahlalter Null die Abschaffung einer Altersgrenze bei Wahlen. Warum? Weil eine solche Altersgrenze, egal wo sie angesetzt ist, nichts als pure Willkür ist. Dies zeigt schon ein kurzer Blick in die Historie des Wahlrechts. Ab 1945 konnte man in der BRD ab 21 den Bundestag wählen, ab 1972 durfte man ab 18. In Niedersachsen und Bremen darf man den Landtag bzw. die Bürgerschaft (so heißt der Bremer Landtag) bereits ab 16 wählen – genau wie in vielen Kommunalwahlen quer durch das Land. Irgendwie alles ziemlich willkürlich, oder?

Oft wird argumentiert, dass junge Menschen noch nicht über das nötige Fachwissen und die politische Weitsicht verfügen, sie schlicht zu unreif dafür seien, wichtige politische Entscheidungen treffen zu können. Nun, genau das gilt doch auch für Leute die über 18 Jahre alt sind. Von denen muss sich ja schließlich auch niemand einem Test unterziehen, der darüber entscheidet, ob sie „reif für die Wahl“ sind.  Auch das Argument, dass junge Menschen stärker Gefahr laufen, „demokratiefeindliche“ Parteien zu wählen, ist gelinde gesagt absurd. Zum Einen zeigt ein Blick auf vergangene Wahlen, dass auch ohne junge Menschen menschen- und demokratieverachtende Parteien zu genüge gewählt werden. Auf der anderen Seite ist es selbst nicht sonderlich demokratisch, Menschen aufgrund ihrer womöglichen Wahlentscheidung von einer demokratischen Wahl auszuschließen. Ein sogenanntes Familienwahlrecht, bei dem die Eltern die Stimme ihres Kindes übertragen bekommen lehnen wir ab! Eine Wahl ist etwas sehr persönliches und kann nicht einfach an Andere übertragen werden. Zudem würde man so das Stimmgewicht junger Menschen nicht sonderlich anheben, da es ja erfahrungsgemäß eher ältere Menschen sind, die Kinder haben und damit mehr Stimmen abgeben können, als die 19 jährige, kinderlose Studentin, welche „nur für sich selbst“ wählt.
Was wir möchten ist, dass junge Menschen wählen gehen sollen, wenn sie sich selbst dafür bereit fühlen. Wohlwissend, dass ein drei Monate altes Baby nicht zur Wahlurne gehen wird und das auf den eigenen Beinen auch nur schwerlich kann. Das Wahlalter Null ist die einzige Möglichkeit, die Willkürlichkeit einer abstrakten Altersgrenze zu umgehen. Genau so fordern wir, dass auch hier lebende Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft wählen dürfen. Sie sind meißt sogar noch stärker von den politischen Entscheidungen betroffen, ohne einen Einfluss auf die politischen Institutionen zu haben. Alle Menschen sollen dort, wo sie ihren Lebensmittelpunkt haben wählen dürfen!

Demokratische Teilhabe ist ein Grundrecht, welches man sich – wie bei jedem anderen Grundrecht auch – nicht durch das Erreichen eines bestimmten Alters, den Besitz des „richtigen“ Passes oder den Nachweis, dass man die Welt verstanden hat verdienen muss.
Man hat es einfach, weil man Mensch ist! Wenn ihr auch davon genervt seid, nicht wählen gehen zu dürfen, dann geht auch ohne Wahlberechtigung am 24. September (und gerne auch überall anders, wo politische Wahlen anstehen) ins Wahllokal. Nervt die Leute, fragt, warum ihr nicht wählen dürft, quatscht mit anderen Leuten darüber! Wahlrecht für Alle, sonst gibt’s Krawalle!

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