Was ist eigentlich der Ökotalk?
Jeden letzten Dienstag im Monat um 19 Uhr wollen wir die Fakten auf den Tisch legen: Was können wir tun, um die Lebensgrundlagen von uns allen zu erhalten? Wie können wir uns organisieren, damit endlich weniger CO2 ausgestoßen wird, weniger Müll in der Umwelt landet, weniger Autos fahren und es endlich mehr Lebensqualität für alle gibt? Dies und vieles mehr diskutieren wir jeden letzten Dienstag im Monat im INTERIM (Demmeringstraße 32). Der Ökotalk wird von der Umwelt AG zusammen mit unserem Marco Böhme organisiert.

28. März 2017: Lindenauer Litchi - Wie sinnvoll und umsetzbar ist regionale Produktion?

Am 28. März 2017 diskutierten im Rahmen des monatlichen Ökotalks der Sprecher für Energie, Klima und Mobilität der Fraktion DIE LINKE. im Sächsischen Landtag, Marco Böhme, mit Sebastian Pomm von der Annalinde Akademie und Claudia Friedrich, die die Leipziger Heldenküche betreibt und sich im Palmengarten engagiert, über Sinn und Unsinn von Litchi-Früchten aus Lindenau – oder anders gesagt: über die Produktion von Lebensmitteln im urbanen Raum. Bei leckeren Schnittchen mit selbstgemachten Gemüseaufstrichen aus der Heldenküche tauschten sich die Gäste über Ansprüche beim Lebensmittelkonsum, die Bepflanzung des eigenen Balkons und dem Arbeitsverständnis von (Hobby-) Gärtner*innen aus.

Claudia Friedrich berichtete dabei vom Projekt Palmengarten, indem, anders in festen Gartenprojekten, der öffentliche Raum zum Anbau von Obst und Gemüse genutzt wird – und diese von allen Stadtbewohner*innen geerntet werden kann. Die Annalinde Akademie betreibt einen Gemeinschaftsgarten, eine Gärtnerei und einen Obstgarten auf dem Bürgerbahnhof Plagwitz. Dabei steht weniger der Verkauf der ökologisch produzierten Gemüse und Obstsorten für die Initiative im Vordergrund, sondern sie sehen sich vor allem als Umweltbildungsprojekt, in dem Kinder und Erwachsene die Möglichkeit bekommen, selbst du gärtnern aber auch etwas über den Eigenanbau von Lebensmittel zu lernen.
Die Urban Gardening-Projekte Palmengarten und Annalinde sind dabei nur ein Teil einer ganzen Reihe von urbanen Versorgungsstrukturen. Dabei sei klar, so Sebastian Pomm, dass eine Stadt wie Leipzig sich wohl nie vollständig autark mit Lebensmitteln versorgen könnte. Dazu ist die Flächenkonkurrenz, gerade in einer wachsenden Stadt wie Leipzig, einfach zu groß. Nichtsdestotrotz sollte der Austausch mit dem direkten Umland verstärkt und noch vorhandene innerstädtischn Potenziale für den urbanen Lebensmittelanbau genutzt werden (Hauswände oder Dächer beispielsweise). Statt dem Ziel einer autarken Selbstversorgung beabsichtigen die Initiativen vielmehr zu einem gesellschaftlichen Bewusstseinswandel im Umgang mit Lebensmitteln beizutragen. Claudia Friedrich sieht hierbei weniger ein Defizit im Angebot an regionalen Lebensmitteln, sondern mehr ein Defizit in der Nachfrage. Diese ist nach Ansicht der beiden nicht in erster Linie ein Preis-, sondern eher ein Bildungsproblem. Wenn Lebensmittel mehr wertgeschätzt und Prioritäten im Konsum anders gelegt würden, könne man sich auch mit wenig Geld gute Lebensmittel leisten. Umweltprojekte, aber auch städtische Initiativen könnten dazu beitragen, die Wertschätzung von vor Ort ökologisch produzierten Lebensmitteln zu steigern. So beklagt Sebastian Pomm, dass die Stadt Leipzig noch immer kein urbanes Ernährungskonzept habe. Auch könnten öffentliche Stellen mehr tun, um die regionale Lebensmittelproduktion zu stärken. Öffentliche Mensen könnten beispielsweise eine Vorbildfunktion erfüllen und einen bestimmten Anteil ihrer Zutaten aus der Region beziehen. Marco Böhme merkt dabei an, dass die industrielle Lebensmittelproduktion auch Vorteile für die Menschen mit sich gebracht hat. So brachte der Verlust des Zwangs zur Selbstversorgung auch die Freiheit mit sich, andere Dinge tun zu können. In der Diskussion zeigte sich aber auch, dass der Eigenanbau von Lebensmitteln von vielen Menschen als sinnstiftende Tätigkeit wahrgenommen wird. „Die Menschen wollen wieder in den Garten zurück“ meint Sebastian Pomm. Für Claudia Friedrich bedeutet regionale und vor allem saisonale Ernährung auch keinesfalls einen Verzicht. Vielmehr freut sie sich jede Saison auf ein neues Gemüse, dass es nur zu einer bestimmten Jahreszeit gibt. Nur Lindenauer Litchi stehen dabei nicht auf dem Speiseplan. Der Litchianbau in Lindenau würde sich aufgrund des hohen Energieaufwands nicht lohnen.


31. Januar 2017: Alternative Antriebe = Alternative Verkehrssysteme?

Wenn es nach dem Willen der Bundesregierung geht, sollen bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen unterwegs sein. Von diesem Ziel sind wir weit entfernt. In Sachsen sind laut dem Statistischen Landesamt gerade einmal 1.051 reine Strom-Fahrzeuge zugelassen. Zusammen mit den 6.800 Hybrid-Fahrzeugen, die sowohl einen klassischen Verbrennungsmotor haben, als auch mit einer Batterie ausgestattet sind, macht das nur 0,3 Prozent der insgesamt 2,5 Millionen Fahrzeuge in Sachsen aus.
Dennoch ist die Zukunft auf der Straße elektrisch, da sind sich die Experten beim diesmonatigen Ökotalk einig. Für Christian Grötsch, ehrenamtlicher Clusterteamleiter Elektromobilität der Stadt Leipzig und Vertreter des Bundesverbands E-Mobilität, und Matthias Reichmuth, Vertreter des Verkehrsclub Deutschland (VCD), ist es nur eine Frage der Zeit. Je früher die Politik entsprechende Rahmenbedingungen setzt und dreckige Dieselfahrzeuge aus den Städten verbannt, desto schneller kommt der vollständige Durchbruch der elektronisch angetriebenen Fahrzeuge.
Doch Matthias Reichmuth warnt davor, nur Maßnahmen zu ergreifen, die den Individualverkehr fördern. Stattdessen sollten der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) und der umweltfreundliche (elektrische) Radverkehr gestärkt werden. Nur durch eine Reduzierung des gesamten Verkehrsaufkommens in den Städten wird dem Ziel einer zukunftsfähigen, umweltfreundlichen und lebenswerten Stadt gerecht. Mit dem Durchbruch der E-Mobilität dürfen also nicht einfach alle Fahrzeuge eins zu eins durch elektrische ersetzt werden. Stattdessen braucht es ein Umdenken der Menschen – weg von der Gewohnheit, immer mit dem eigenen Auto allein zur Arbeit zu fahren, egal wie günstig oder komfortabel der Weg mit den öffentlichen Verkehrsmitteln wäre.
Hinzu kommt ein notwendiges Überdenken klassischer Besitzverhältnisse im Mobilitätsbereich, so Christian Grötsch. Mein Haus, mein Auto – dies zu erstreben scheint zumindest in der jüngeren Generation keine unumstößliche Notwendigkeit mehr. Stattdessen gilt es, Fahrzeuge zu nutzen statt nur zu besitzen. Die flexible und intelligente Vernetzung der einzelnen Verkehrsträger macht den Besitz eines einzelnen Fahrzeugs überflüssig. Dann wäre auch die Angst vor der Reichweite von E-Fahrzeugen unbegründet: man wechselt einfach das Fahrzeug.
In der Diskussion, die von Marco Böhme, mobilitätspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag, moderiert wurde, wurde jedoch auch deutlich: Sobald man an den ländlichen Raum denkt, gerät die  Debatte um alternative Antriebe und neue Mobilitätskonzepte an ihre Grenze. Doch Carsharing, Ladeinfrastruktur und Zugang zum ÖPNV dürfen auch im ländlichen Raum keine Seltenheit sein, will man umweltfreundliche und bezahlbare Mobilität für Alle ermöglichen. Dazu braucht es den politischen Willen, geeignete Maßnahmen zu ergreifen und sich gegen die mächtige deutsche Autolobby, die immer noch am klassischen Verbrennungsmotor festhält, durchzusetzen.
 

30. August 2016: Auf in eine strahlende Zukunft - Atommüll-Endlager auch vor deiner Tür?

Auch wenn Atomkraft als "saubere Energie" gilt, so entsteht denn noch ein Müll bei der Herstellung von Atomstrom. Dieser Atommüll ist dabei kein gewöhnlicher Abfall, sondern viel mehr ein radioaktiver Stoff dem eine besondere Beachtung bei der Endlagerung gestellt werden muss. Genau dieses Problem hatten wir in unserem August-Ökotalk mit Dorothee Menzer (ehem. Mitglied des Bundestages, DIE LINKE.) und Prof. Dr. Felix Ekardt (BUND Sachsen). 
In einer sehr angeregten Diskussion kristallisierten sich dabei drei Punkte heraus. Zum Ersten ist die Frage der Atommüllendlagerung von deutschen Atomkraftwerken auch eine nationale Aufgabe. Auch wenn die Idee eines bspw. europäischen oder weltweiten Endlagers sehr verlockend klingt, so ist in der aktuellen Lage schwierig zu beurteilen in wie weit die Koordination einer solchen wichtigen Aufgabe im intenationalen Dialog nicht durch mögliche diplomatische Spannungen oder einem internationalen Wettbewerb verzehrt wird. Der zweite Punkt ist die klare Position, dass wir in der Bundesrepublik mit dem Prinzip der "weißen Karte" einen Standort suchen und untersuchen müssen. Die Frage eines Endlagers muss sich an dem aktuellen Stand von Technik und Wissenschaft orientieren um ein möglichst sichere Lagerung gewährleisten zu können. Und abschließend wurde im Ökotalk festgestellt, dass es nicht die Aufgabe einer politischen Linken sein sollte sich die Frage nach einem Atommüllendlager ganz oben auf die Fahne zuschreiben. Selbstverständlich darf diese Frage auch nicht ignoriert werden, durch die realen Gegebenheit. Nur ist es auch Aufgabe von uns weiterhin sich gegen die Atomkraft zu engagieren und andere Energie- bzw. Stromquellen zu forcieren, damit eben auch ein solcher Müll (neben allen anderen Gefahren der Atomkraftwerke) nicht mehr entsteht.

 

26.Juli 2016: 46°C und es geht noch heißer. Klimawandel als Fluchtgrund

Am 26.07.2016 ging der Ökotalk unter dem Motto „46°C und es geht noch heißer. Klimawandel als Fluchtgrund“ in die fünfte Runde. Als Gäste waren dieses Mal Sophia Wirsching von „Brot für die Welt“ und Malte Hennig von der Linksjugend Leipzig geladen.  Zum Einstieg gab Marco Böhme einen kurzen Überblick über die aktuelle Klimalage. Aus gegebenem Anlass gab es außerdem ein Statement zu den Äußerungen Sahra Wagenknechts, in dem man sich klar von jenen distanziert. Schokoladentorte gab es auch.
In der darauf folgenden Diskussion wurde klar, dass der Begriff „Klimaflüchtling“ durchaus kritisch zu betrachten ist. Klar ist, dass Klimaerscheinungen, welche Menschen dazu zwingen ihr Zuhause zu verlassen, immer häufiger auftreten. Menschen müssen also ob des Klimas flüchten. Doch muss man deshalb einen neuen Begriff öffnen? Lenkt ein solcher und die Konzentration auf das Erreichen einer gerechten Teilhabe in der Gesellschaft nicht von den strukturellen Problemen vor Ort ab, welche dringlich gelöst werden müssen?
Das Resultat war letztendlich, dass jeder Mensch - egal weshalb er sein Zuhause, seine Familie, seine Freund*innen verlassen muss - unsere Hilfe und zusteht und diese auch bekommen muss. Dies heißt jedoch nicht, dass Industrieländer, welche vor allem Schuld am Klimawandel tragen nicht vor Ort helfen müssen. Es braucht vor allem finanzielle und fachliche Unterstützung um Schutzvorrichtungen wie Dämme, Hochwasserzäune, Frühwarnsysteme etc. zu errichten.


 

28. Juni 2016: Fairtrade. Fairnes heute im Angebot, das Kilo nur 3,89€

Am 28.6. ging die Veranstaltungsreihe „Ökotalk“ der Linksjugend Leipzig und von Marco Böhme (MdL) in ihre nunmehr vierte Runde. Circa 20 Gäste fanden sich im Interim ein und diskutierten mit Kurt Damm, seinerseits Mitglied bei Fairtrade Deutschland, Doris Kriegel von der Arbeitsstelle Eine Welt in der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens und Marco Böhme (MdL) zum Thema „Fairtrade. Fairnes heute im Angebot, das Kilo 3,89 €“. Nach einem kurzen Überblick über verschiedene Siegel und, wie man ein solches für sein Produkt erhalten kann, erörterte man, inwiefern Fairtrade weitreichend genug ist. Man kam zum Entschluss, dass Fairtrade Siegel sicherlich nicht die Ursache der Missstände – nämlich den Kapitalismus – in den verschieden Fabriken, Nähereien oder Feldern bekämpfen und damit sicherlich nicht die perfekte Lösung sind. Jedoch tragen sie dazu bei, einige Folgen und Begleiterscheinungen zu lindern und die Umstände für die Betroffenen ein wenig zu verbessern. Wenn auch nur einer Familie durch Fairtrade Produkte geholfen werden kann, ein lebenswerteres Leben führen zu können, dann ist es ein solches Produkt wert, gefördert zu werden. Der nächste Ökotalk findet am 26.7. unter dem Motto „46°C und es wird noch heißer – Klimawandel als Fluchtgrund“ statt.


31. Mai 2016: Verpackungsfrei Einkaufen. Zero waste, waste of time

Wie kann am besten Müll vermieden werden? Warum ist gerade Plastikmüll so schädlich für die Umwelt? Diese und weitere Fragen haben wir in unserem monatlichen Ökotalk am 31.05 mit gut dreißig Teilnehmenden diskutiert. Als Referent*innen kamen zu diesem Thema Stefan Heller (Echt Unverpackt Leipzig) und Dr. Sabine Hübner (Ökolöwe Leipzig) ins Interim. Durch den Abend moderierte wie gewohnt unser Jugendabgeordneter Marco Böhme (MdL, DIE LINKE). Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden und hoffen, dass wir mit dieser Veranstaltung einen Anstoß zum bewussten Konsum geben konnten.


26. April 2016: Ende Gelände in der Lausitz - Keine Kohle für Kohle

Zur zweiten Runde des Ökotalks luden wir Tadzio Müller von der Rosa-Luxemburg-Stiftung und vom Bündnis "Ende Gelände" ein. Über das Pfingstwochenenede sind in der Lausitz proteste von eben jenem Bündnis gegen den dortigen Braunkohlebau geplant. Im Gespräch mit Marco Böhme (MdL, DIE LINKE.) erzählte Tadzio Müller von vergangenen Protesten und erklärte warum und wie der Protest auch in der Lausitz wichtig ist. Wir wünschen dem Bündnis viel Erfolg mit dem Protest!

29. März 2016: Paris: Hot or not? - Zwischen cooler Lösung und heißer Luft

Der Start des Ökotalk beginnt mit nichts leichterem als einer Auswertungsdiskussion von Tadzio Müller (Rosa Luxemburg Stiftug) und dem Moderator und Gastgeber Marco Böhme (MdL, DIE LINKE) zur Pariser Klimakonferenz. Die besondere Frage natürlich: bringen solche unbindendne Absprachen überhaupt etwas für das Klima? Die erste Runde des neuen Ökotalks lief in einer sehr entspannten Art und Weise. Der Anfang ist auf jeden Fall gut gemacht.

Flyer der Ökotalk-Reihe

 

 

  

 
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